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Tschüss Herr Rebschloe

Interview anlässlich seiner Verabschiedung

Geburtsort: Köln

Schulzeit: von 1987 bis 2002

Fächer: Germanistik, Geschichte und Philosophie 

Schullaufbahn (an welchen Schulen haben Sie unterrichtet?): Ausbildung in Köln-Kalk an der Katharina-Henoth Gesamtschule bestritten und mit einem anderen Clientel wie hier. Es war ganz interessant, wenn man mal Unterricht mit ohne „Muttersprachler“ hat und da dann als Deutschlehrer vorsteht. Und dann am Fürst und weiter geht‘s in Bornheim am Alexander-Humboldt-Gymnasium.

Besondere Aufgaben im Schuldienst: Streitschlichter, ich finde kleine Tätigkeiten nebenbei gehören zum Schulleben dazu, da bin ich relativ großzügig, das würde ich nicht als besondere Aufgaben sehen. 

Wann und warum haben Sie sich für den Lehrerberuf entschieden?

 

Das war irgendwann im Laufe der Oberstufe, ich hatte Philosophie, weil ich an einer katholischen Schule mein Abi gemacht habe. Ich habe das in der Oberstufe wählen können. Ich hatte lange über Journalismus nachgedacht. Dann aber von Freunden und Bekannten, die in dem Bereich tätig sind, gehört, dass das Studium eine gute Wahl ist, aber man hat keine berufliche Sicherheit. Und da ich Sicherheit wichtig finde, das bereitet einem eine gewisse Ruhe, wenn man ein bisschen Sichherheit hat. Und dann mit der Frage „Ja, was kann ich eigentlich machen wenn du Deutsch und Philosophie studieren willst“, da war Lehramt eine Option. Da ich eben eine Trainertätigkeit und Kontakt mit Jugendlichen hatte und auch meinen Zivildienst an der Schule absolviert hatte. War ich eben bestärkt, dass ich das auch wirklich machen möchte.

Erzählen Sie uns von ihrem Studium

Ich bin für das Studium nach Köln zurückgekehrt, weil ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr in Köln gelebt habe. Hab da in relativ kurzer Zeit Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert. Das lustige war, dass es gar nicht mehr vorgesehen war, dass man drei Fächer im Lehramt studiert, nach der Studienordnung die mir dann vorgegeben wurde. Und, dass ich dann Geschichte abschließen wollte, der Prüfer gesagt hat, das geht gar nicht. Da ich aber inzwischen schon Geschichte unterrichtete ging es dann doch irgendwie. Und joa studieren in Köln heißt ja, dass man nah an Parties, Feten und na aktiven Regenbogen Szene ist. Macht eigentlich viel Spaß. 

Würde Sie den jetzigen Abiturienten den Lehrerberuf empfehlen oder eher davon abraten? 

 

Also der Lehrberuf an sich, ist ein schöner Beruf. Und ich finde auch, ich weiß nicht man hört manchmal auch, dass die Kinder schwieriger werden, das kann ich a) aus meiner Berufserfahrung nicht beurteilen und andererseits glaube ich da nicht dran, es ändern sich sicherlich Dinge, auch die Lehrer und irgendwie spielt es sich dann aufeinander ein. Interessant ist sicherlich die Fächerwahl, wenn man in den Lehrberuf gehen möchte, weil wenn man sich Kollegen ansieht, mit guten Examen aber den falschen Fächern, die stehen einfach auf der Straße, das ist im Moment so. Und klar, wer sich berufen fühlt sollte es unbedingt studieren, müsste sich aber überlegen ob er wirklich ans Gymnasium möchte. Andere Schulformen bieten im Moment mehr Möglichkeiten. Und wenn dann das Fach – Physiker werden eingestellt.

Welche Voraussetzungen sollten zukünftige Lehrer mitbringen?

 

Geduld hilft. Humor hilft wohl manchmal. Aber vor allem ist es wichtig für seine Fächer einstehen kann, dass man Sachen studiert die man mag und man auch vertreten kann vor den Schülern und eben diese Begeisterungsfähigkeit mal hin und wieder zu übertragen. Wenn man flexibel auf die Schüler reagieren kann, da meistens 25 Schüler vor einem sitzen, die meist unterschiedliche Fähigkeiten haben. 

Sie kommen aus Köln und haben auch dort studiert – Warum sind Sie nach Siegen gekommen und wie schwer ist ihnen der Wechsel von der Metropole in die „Kleinstadt“ gefallen?

 

Ich neige dazu Dinge positiv zu sehen. Siegen und Köln haben ja schon einmal gemeinsam, dass sie ziemlich bebaut sind, das war jetzt gar nicht so die große Umstellung. Hergekommen bin ich, weil meine Freundin hier das Zweitstudium angetreten ist und ich mein Referendariat abgeschlossen hatte. Dann war da sowieso die Frage wo ich meine erste Stelle antreten möchte. Damals war die Situation noch so, dass man die Auswahl hatte. Insofern ging es damals etwas anders als heute. Und der Wechsel, also ich fand es begrüßenswert, quasi aus der Haustür drei Minuten fußläufig im Wald zu stehen und schätze das durchaus. So kleinstädtisch ist es gar nicht, man hat ein gutes Theater, man hat die Einkaufsmöglichkeiten die man braucht. Was es halt nicht gibt ist eine ausgeprägte Cafészene. Obwohl das kommt ja jetzt auch in der Oberstadt, unten da wo jetzt die Sieg freigelegt wird. 

Wie war erster Eindruck vom FJM?

 

Erster Eindruck war Bewerbungsgespräch, Montags später Vormittag. Also vom Voreindruck was es eine sehr sympathische Schule und Lehrerfreundlich, wegen des Lehrerraum Prinzips. Die Schüler die man gesehen hat, machten einen ganz ordentlichen Eindruck, das hat sich dann im Unterricht später durchaus bestätigt – bei den meisten. Prägend für mich, war Frau Schumann-Knapp plötzlich im Vorstellungsgespräch: „Ja, wieso können ihre Schüler eigentlich mit ihnen lachen?“ Joa, da dachte ich, das scheint ja keine besonders verbohrte Schule zu sein, in der man eine gewisse Offenheit an den Tag legt, wo ein gewisser Umgang gepflegt wird, sehr sympathisch. Das war dann am Ende auch einer der Ausschlagspunkte hier hin zu kommen.

Denken Sie an ihre eigene Schulzeit – inwiefern haben sich die Schuüler im Vergleich zu heute verändert?

 

Das ist schwierig. Ich glaube die Frage ist bei Kollegen, die 15 oder 20 Jahre älter sind als ich, spannender. Ich würde gar nicht sagen, dass sich die Schüler so sehr verändert haben, wenn ich an meine eigene Schullaufbahn denke und Schüler die ich gerade unterrichte, dann weiß ich, dass ich ein unangenehmer Schüler war. Ansonsten, vielleicht ist heute, weil der Notendruck größer ist um einen Studienplatz zu kriegen, es so, dass viele Schüler noch angepasster sind und ja, dass dementsprechend diejenigen die ein wenig unangepasster sind auffallen. Manchmal positiv, wenn sie ihre Unangepasstheit kreativ umsetzen und sie einbringen und manchmal negativ, wenn sie in Arbeitsverweigerung auftritt. 

Nennen Sie uns zwei Bücher, die Sie Nachhaltig beeindruckt haben und die unsere Schüler unbedingt lesen sollen und begründen Sie ihre Auswahl.

 

Oha. Da bin ich natürlich genau der falsche für. Also nachhaltig beeindruckt hat mich der „Beowulf“, dass wird meine Englisch Kollegen freuen. Das liegt aber daran, dass ich eben diese Sprachgewalt mag. Und fände es schön, wenn sich Schüler mehr für diese Sprachgewalt begeistern könnten und was man mit Sprache machen kann. Und da finde ich im Prinzip alte Texte oft ergreifendert, als moderne Sachen.

Und was man noch tatsächlich lesen kann, der Beowulf ist ja auf altenglisch. Was da einflussreich war – klassisch wäre jetzt der „Herr Der Ringe“. Vielleicht der Hermann Hesse mit der „Siddhartha“, über das Leben des späteren Buddha, der auch den Buddhismus in Deutschland relativ publik gemacht hat und eine gewisse gelassenheit schulen kann. Ich finde, dass das oft sehr fehlt, man fühlt sich oft schnell auf die Füße getreten und nimmt oft viele Dinge sehr eng und persönlich. Und manchmal kann man sich fragen ob ich einfach einen Schritt zurück treten kann. Hesse ist ein bisschen esotherisch, aber es wäre ein zu bewältigender Roman.

Denken Sie an die schlimmste Klasse, die Sie je hatten! Welche Klasse war das und was sie im negativen Sinne ausgezeichnet?

 

Ich hatte keine schlimmste Klasse. Je kleiner die Kinder sind, desto anstrengender finde ich das, weil sie mir zu viel rumwuseln und nicht länger als 12 sekunden zuhören und man jedem einzeln sagen muss, was er machen darf und was nicht. Und weil ich nicht so gemein sein darf, wie in der Oberstufe. Das schränkt mich ein wenig ein in meinem pädagogischen Repetoir. 

Welche Jahrgangsstufen haben Sie am liebsten unterrichtet? 

 

Ich sehe mich da schon eher in der Oberstufe.

Welche Erlebnisse am FJM haben sich in ihr Gedächtnis eingegraben bzw. was waren die besten Momente in ihrer Laufbahn am FJM? 

 

Erlebnisse/Momente, da gibt es bestimmt viele Anekdoten wenn man die Schüler fragt, die bei mir den Unterricht genossen haben. Quasi die Gemeinheiten die so von mir kamen. Woche drei hier, Schülerin in der EF damals, der Doppeljahrgang, gefühlt 1,40m groß – vermutlich ein Ticken größer, sitzt am Fenster in der Sonne und Mitschüler fragt: „Kann man die Jalousien runter machen, es blendet?“ und sie sagt „NEIN!!“ und Rebschloe fügt sich ein in den Kurs mit dem Satz „Robin, sind wir mal Gentleman, lassen wir die Rollanden mal offen, dat Mädel braucht Licht und Wärme zum wachsen“. Tja, da war es dann eigentlich schon vorbei. Das hat sich ja dann auch so fortgesetzt. Ansonsten sicherlich die Sportveranstaltungen. Passiv als Alex Degenkolb, Jessica Sonneborn die Nase bricht beim Handball, dass ja auf meine Inititive hin stattgefunden hat, ich habe mich schon ein wenig fremdgeschämt. Klassisch aber auch irgendein Fußballspiel mit den Kollegen, hat man ja auch beim Volleyball gehört, der Rebschloe ist da schon einmal ein wenig lauter und rastet ein wenig aus – aber sonst ist er ganz friedlich.

Und welche negativ?

 

Ich kannte es so nicht von meiner Ausbildungsschule, dass Schüler meinten ihre Noten so nachbehandeln zu müssen. Und vor allem so unbegründet so „Ich fühle mich schlecht bewertet“, da kommt dann einfach kein Argument. Wenn man zu mir kommt mit einer Begründung, dann kann ich darüber nachdenken. Das ist unnötig und macht auch wenig Spaß. Die Notengebung ist vorgegeben vom Ministerium und ja.

Was erhoffen Sie sich von ihrer neuen Schule? Was sollte so sein wie am FJM, was sollte besser sein?

 

Ich hoffe, dass viele Dinge ähnlich laufen wie hier. Ich fand die Schülerschaft und das Kollegium sehr angenehm. Und würd halt hoffen, dass es da jetzt keine gravierende Verschlechterung gibt, da mit den jungen Kollegen der Kontakt so ist, dass man auch mal außerhalb was macht. Dass man mit den Schülern einen gepflegten Umgang hat. 

Besser sein, sollte die Organisation, ich habe hier manchmal den Eindruck, dass wir an vielen Sachen gerne mit machen. Viele davon aber nicht richtig verfolgt werden können, da es zu viele sind. Sicherlich auch in der Hand der Kollegen, da mehr zu steuern.

Kooperative Lernformen oder klassischer Frontalunterricht?

 

Kooperative Lernformen. Bevorzugt das Gruppenpuzzel, also Arbeitsteilig, Schüler sollen einzelne Textabschnitte bearbeiten und tragen das dann zusammen und stellen dann in der Gruppe in einem weiterführenden Arbeitsauftrag das Ergebnis her. Das man als Lehrer einen guten Unterricht vorbeireitet und die Materialen stimmen, man sieht, dass die Ergebnisse stimmen, aber die Schüler sich das alles selbst erarbeiten. Und man jedem die Chance gibt sich intensiv damit auseinander zu setzen, weil die Intensität mit der Auseinandersetzung sich zwischen dem Zentralabitur und meinem Abitur verändert hat. Die Lehrpläne sind ziemlich voll und vieles wird nur oberflächlich behandelt. Und wenn man das dann nur erzählt ist die Frage wieviel davon wirklich hängen bleibt. 

Werden Sie das FJM vermissen? Was genau werden Sie vermissen?

 

Das Gebäude nicht so, also DAS FJM jetzt nicht. Aber ich habe mich hier am Fürsten wohl gefühlt, ich werd Kontakte halten zu den Kollegen. Sicherlich in meinen Fächern und über die Fächer hinaus. Und mit den  Schülern, hab ich sie gut angetroffen und ich kenne sicherlich spontan, ein halbes Dutzend wo ich sage, da werde ich sicherlich erst noch ein wenig nachweinen.

Ich werde aufjedenfall vermissen, dass Dienstagsabends – 22 Uhr – Herr Riedel anruft und sagt „Wollen wir noch wat zocken?“ und dass das lustige ist, dass es wirklich noch stattfindet. Ich werde sicherlich auch vermissen, die Klassenleitung mit Frau Reiß, die war nämlich brilliant, wir haben uns sehr  gut ergänzt. Frau Reiß als Mathematikerin und als  jemand der sehr nachdrücklich mit den Eltern spricht. Ich bin jemand, ich hab es denen gesagt, damit ist es abgehackt. Und ich war für den Briefverkehr und so was zuständig und wir geben auch eine sehr gute Klasse weiter in die Oberstufe. Und das sind so Sachen, bei denen man sagt, dass man da schon noch hinterher hängt.

Was raten bzw. wünschen Sie dem FJM für die Zukunft?

 

Ich würde wünschen, dass die Schule, trotz der Gesamtkonstellation hier in Siegen, wo ja auch über eine zweite Gesamtschule nachgedacht wird. Die Schülerzahlen sich wieder fangen, weil wir eigentlich ein motiviertes, junges Kollegium haben, weil wir im Profil versuchen uns neu aufzustellen – ich komme hier nicht los, ich gehöre hier wirklich noch hinzu. Und, ja ich hoffe, dass der Fürst mit vielleicht einem leicht veränderten Ruf, also nicht mehr dieses alt elitere, sondern dieses neue zugewandte, was ja auch in der Qualitätsüberprüfung eine Rolle spielte. Das also tatsächlich der Umgang hier sehr gut sei. Das eben hier auch die Leute zu einem guten Abitur gebracht werden, auch wenn das mit Arbeit verbunden ist.

Vielen Dank für das Gespräch! Wir werden sie vermissen.

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