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"Super! Ganz toll!"

Glosse: Eine kritische Auseinandersetzung mit den Lieblingsworten unseres Schulleiters

"Super! Das finde ich wirklich ganz toll von euch, dass ihr hier sowas macht." Wie oft habe wir solche Worte schon einmal von unserem Lieblingsschulleiter gehört? Musstet ihr diese wunderbaren Wortkombinationen schon über euch ergehen lassen? Ich auch! Live und in Farbe. Ich hatte mir einen Termin bei Herrn Käuser geben lassen, um mich mit ihm über den ein oder anderen Missstand in der Schule zu unterhalten, und das, womit ich am meisten abgewimmelt wurde, war: "Weißt du, ich finde das ja ganz toll, dass du soetwas gemacht hast, und dass du dich so dafür einsetzt. Das traut sich ja auch nicht jeder...." BLA BLA BLA! Ich dachte mir nur so: "Pädagogisch schön und gut, aber komm zum Punkt! Werde ich hier nicht einmal ansatzweise ernstgenommen?!? Mit mir kann man auch normal reden und nicht nur sagen, was für ein tolles Mensch ich bin. Das weiß ich selbst! ;P"

"Das fällt doch niemandem auf"

Man könnte meinen, man ist bei einer Ballettvorführung einer Grundschule, bei der nachher jedem Kind gesagt wird, dass es das Beste und Schönste auf der Bühne war (zu dem Schönste gibt es hier einen schönen Artikel). Auch, wenn das Kind sich an der peinlichsten Stelle gelatzt hat, wird es beschwichtigt mit solchen Lügen, wie "das fällt doch niemandem auf" oder "das sah aus wie Absicht, das kann niemand so gut wie du!".

Süchtig nach Lob und Anerkennung

Alles, was sie tun, wird auf einen Ehrenplatz gestellt und bis zum Ende aller Tage gelobt und die Kinder dürfen niemals mitbekommen, dass sie versagt haben! So halten sich die Kinder für die Besten und werden süchtig nach Lob und Anerkennung. Dem Lob und der Anerkennung für alles, was sie jemals gemacht haben, sodass alles, was sie jemals machen werden, auch nur Lob zur Folge haben kann. So lernen die Kinder niemals, mit Versagen umzugehen. Im Simpsons-Film wird schon ähnliches beschrieben, nur dass da auf ein Studium und nicht die Erziehung angespielt wird. Es sagt nämlich der wunderbare Russ Cargill: "Es gibt zwei Dinge, die einem beim Studium in Harvard nicht beigebracht werden: Niederlagen wegzustecken und eine Schrotflinte zu bedienen. Ich werde jetzt beides tun."

Wieso, Eltern, wieso?!

Niederlagen wegzustecken ist wohl eine allgemeine Schwäche. Wieso heißt der Spieleklassiker wohl "Mensch ärgere dich nicht". Aber das ist nicht der einzige Nebeneffekt, den eine solche Loberei mit sich bringt. Denn wenn Eltern immer versuchen, alles schön zu reden, dann fällt das irgendwann auf. Wenn ein Kind bei einem Völkerballturnier nur bei einem Spiel mitgespielt hat und das das einzige war, dass die Klasse verloren hat, dann weiß es selbst, dass es schlecht war. Wieso, Eltern, wieso wollt ihr einem immer noch einreden, dass man gut gespielt hat, und dass man supertoll in diesem Spiel ist?!

Dann glaubt es euch nicht!

Wenn ihr so etwas nämlich durchzieht, verliert ihr eure Glaubwürdigkeit! Wenn euer Kind dann nämlich etwas wirklich gut kann, glaubt es euch nicht! Natürlich sollte man Errungenschaften von Kindern nicht wortlos hinnehmem, aber man sollte sie nicht davon abhängig machen und trotzdem ehrlich sein. Kinder müssen auch die Wahrheit verkraften lernen, und die ist schließlich, dass sie nicht perfekt und in allem die Besten von und zu Welt sind, und dass sie eben nicht alles schaffen können, was sie wollen! Denn genau das ist der Grund, warum bei DSDS irgendwelche Muttersöhnchen landen, die sagen: "Meine Mama hat aber gesagt, ich habe eine wunderbare Stimme!" und dafür öffentlich angeprangert werden.

Wir hören auf, Dinge für uns selbst zu tun

So werden wir alle Lobsüchtig und betteln überall um Anerkennung. Das fängt klein an mit einem Kleinkind, das auf einem Spielplatz die ganze Zeit Mama zuruft, dass sie gucken solle, wie toll es doch schaukeln könne, und endet mit einer Hausfrau, die zusammenbricht, weil sie von ihren Kindern nicht die verdiente Anerkennung dafür bekommt, den umfassenden Haushalt zu erledigen. Oder wenn Dr. Cox aus Scrubs seiner Frau 1000 mal das bring, wovon sie nur um eins gebeten hatte. Wir hören auf, Dinge für uns selbst zu tun, weil wir es so wollen, sondern nurnoch, um vor anderen gut dazustehen, und das kann verheerende Folgen haben.

Alle Kinder sind nuneinmal gleich scheiße

Denn wir wissen: Die Welt ist ungerecht! Niemand bekommt die Anerkennung, die er verdient. Ob man jetzt als Berühmter dafür berühmt ist, berühmt zu sein, oder sich als Lehrer mit dem Vorwurf einen gut bezahten Halbtagsjob abfinden zu müssen, obwohl man grade einen Fernsehturm aus Klausuren bewältigt hat, oder als sich als Schüler für eine Klausur richtig reingehängt hat und dafür eine 3 bekommt: Niemand bekommt, was er verdient, vor allem in der Schule. Denn nur so nebenbei, alle Kinder sind nuneinmal auf gleichem Niveau scheiße. Niemand von denen ist besser als das andere. Doch Kinder sind in dem Punkt im normalfall ungewollt ziemliche Arschlöcher und bemerken das nicht, sodass ein Mensch, der einmal zur falschen Zeit am falschen Ort das Falsche Gesagt hat (wobei das Falsche nur situaionsgemäß und nicht allgemeingültig schlecht ist), fürs Leben derjenige sein kann, von dem sich die Anderen ihre Anerkennung nehmen, indem sie ihn runtermachen. Er wird also niemals Anerkennung, wenn auch verdient (was hier relativ zu betrachten ist), von seinen Mitschülern bekommen, obwohl er nuneimal genauso wunderprächtig ist, wie alle anderen auch.

Alles, was von der Schule kommt, ist uncool!

Aber diesen Menschen Anerkennung zukommen zu lassen, ohne dass sich Kinder erst neu in der Klasse beweisen müssen, soll ja nun die Aufgabe dieser Ehrungen sein, bei denen wir diese wunderbaren Lieblingsworte unseres Lieblingsrektors am extremsten zu ertragen haben. Es ist zwar gut gemeint, nur leider bringen diese Worte auch wieder kaum etwas, weil diese so niemand ernst nimmt. Denn, wie wir wissen: Alles, was von der Schule kommt, ist uncool. Aber das ist ein anderes Thema...

Sehr geehrter Herr Käuser

Zum Abschluss noch einmal: Sehr geehrter Herr Käuser, dieser Artikel hat nicht die Intention, ihre Arbeit als Schulleiter in Frage zu stellen. Ich habe Respekt vor all der Verantwortung, die der Schulleiterjob mit sich bringt. Auch ihre Bemühungen um Wertschätzung von Leistung in allen Ehren, jedoch nutze ich auch nun diese Plattform der Schülerzeitung, um meine Sichtweise zu diesem meiner Meinung nach pseudo-pädagogisch-wertvollem Gelaber darzustellen, wobei mein Ziel ist, ihr Handeln kritisch zu bewerten, ohne sie persönlich angreifen zu wollen. Dabei stellt dieser Artikel auch zunächst nur meine persönliche Meinung dar, so manches Redaktonsmitglied würde diesen Artikel so nicht unterschreiben.

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Kommentare: 2
  • #1

    123 (Mittwoch, 07 Dezember 2016 08:44)

    Geil

  • #2

    Maire (Dienstag, 21 Mai 2019 13:30)

    Also ich finde den Artikel gut, kritisch und interessant. Besser als diese ganzen Info Artikel, sondern mal was internes von der Schule