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Das FJM aus meinen Augen (Q2)

Was ich schon immer mal sagen wollte...

Meine Traumschule“ lautete das allererste Aufsatzthema im Deutschunterricht zu Beginn meiner FJM-Zeit am Anfang der 5. Klasse. Die Ergebnisse konnten dabei kaum verwundern und die Fünftklässler-Utopien von High-Tech-Schulen mit offenem Anfang, aber auf gar keinen Fall früher als halb elf, Unterricht an allen Wochentagen, die nicht mit „-tag“ aufhören, sowie durch und durch liebenswürdigen Lehrkörpern, die nur Einsen und Zweien verteilen und nicht im Entferntesten auf die unsinnige Idee kämen, uns zarte Schüler mit freizeitraubenden Hausaufgaben zu belästigen, nisteten sich unwiderruflich in die hinterste Ecke unseres Denkapparats ein und konnten jederzeit wieder ins Bewusstsein treten, spätestens bei der nächsten stressigen Power-Lern-Klausurphase oder einer nahenden Zeugnis-Katastrophe. Wenn wir nun diese nicht ganz realistischen Szenarien kurz bei Seite schieben und uns stattdessen auf etwas alltagstauglichere Idealzustände einer Schule konzentrieren: Wie schneidet dann das FJM ab? Ist das Fürst-Johann-Moritz Gymnasium eine Traumschule für uns Schülerinnen und Schüler?

Wohl einen der wichtigsten, objektiv allerdings überhaupt nicht erfassbaren und nur schwierig zu generalisierenden Faktoren, wenn es darum geht, eine Schule zu beurteilen, stellt sicherlich das Lehrerkollegium dar. Positiv ist meiner Ansicht nach in diesem Zusammenhang unbedingt zu werten, dass die demographische Alterung wenigstens vor den heiligen Hallen unserer Schule Halt gemacht und stattdessen in den letzten Jahren der umgekehrte Prozess in Form der wesentlichen Verjüngung des Lehrerkollegiums eingesetzt hat. Dynamisch, motiviert (in den meisten Fällen jedenfalls) und vor allem „up-to-date“, brachten die jungen Lehrerinnen und Lehrer frischen Wind ins Schulleben und ins Klassenzimmer. Doch großen Respekt an dieser Stelle auch an all die älteren Semester, die – im Herzen jung geblieben – keineswegs die Freude an ihrem Beruf - oder besser gesagt ihrer Berufung - verloren haben und immer noch vor Elan sprühend uns Schülerinnen und Schüler - einer zugegebener Maßen nicht immer leicht in Schach zu haltenden Rasselbande – mit Begeisterung ihr umfangreiches Wissen vermitteln. Natürlich zieht man nicht unbedingt jedes Schuljahr das große Los und selbstverständlich erfährt man während seiner Schulzeit einmal jeden Typ des gesamten Lehrer-Spektrums: von der Schlaftablette, die mit ihrem monotonen Singsang die Schüler in das Reich der Träume befördert, über Brummbären, die alles an ihrem Beruf lieben außer den Schülern, bis hin zur hyperventilierenden Schreckschraube. Aber an welcher Schule, in welchem Lebensabschnitt hat man denn auch ausschließlich mit idealen Menschen zu tun, die man sympathisch findet und mit denen man sich blendend versteht? Außerdem: Gerade die eine oder andere Eigenart unserer lieben Pauker hat doch für Abwechslung und nicht wenige Lacher im Schulalltag gesorgt. Von meiner Seite aus kann ich am Ende meiner achtjährigen FJM-Laufbahn nur betonen, dass ich wirklich zum allergrößten Teil meiner Schulzeit Lehrer erlebt habe, die nicht nur an uns als Schülern, sondern auch als Personen interessiert waren und uns sowohl fachlich-kompetent als auch menschlich-einfühlsam begegnet sind.

 

Wenden wir uns nun einer - für manchen Schüler vielleicht nicht immer bequemen - aber überaus sinnvollen und unverzichtbaren Institution des FJMs zu – der allseits bekannten Schulordnung. Als absoluter Meilenstein in der Entwicklung dieser bedeutungsvollen Papiere kann wohl die von uns Schülern zweifelsfrei nur begrüßte Handyerlaubnis in den Pausen bezeichnet werden. Diese im Schulvergleich durchaus fortschrittliche Haltung schürt neue Hoffnungen, dass eines Tages auch das Trinken (Anm. des Autors: Natürlich ausschließlich alkoholfreier Getränke) offiziell als sinnvolles Mittel zur Anregung der grauen Zellen während des Unterrichts legalisiert wird. Und liebe Unterstufen- und Mittelstufenschüler, noch ein letzter Punkt in diesem Kontext: beherzigt einen Rat, der auf eigener Erfahrung basiert. Wenn ihr mal wieder in der zweiten großen Pause bei 0°C draußen in der Kälte mit den Zähnen klappert, weil die geschlossenen Grenzen des A-Territoriums strengstens bewacht werden, dann denkt nicht daran, dass die Lehrer gerade gemütlich mit einer Tasse heißem Kaffee im mollig warmen Lehrerzimmer klönen, sondern genießt einfach die Zeit an der frischen Luft. Schließlich dürft ihr bald, mit dem Eintritt in die Einführungsphase, die Pausen auch in der beheizten Mensa verbringen, was euch vielleicht jetzt noch als unfair erscheint, euch später aber einmal sehr willkommen sein wird, um eine erholsame Auszeit zu nehmen von lärmenden Kinderhorden, die euch um die Füße wuseln.

Wenn es um weitere Punkte an unserer Schule geht, die noch Verbesserungspotential aufweisen, dann sollte die folgende Entwicklung nicht unerwähnt bleiben, denn leider wirkt es aus meiner subjektiven Perspektive so, als habe in den letzten Jahren die Tendenz hin zu einer nicht gerade als schülerfreundlich zu bezeichnenden Politik der maximalen Minimierung von Unterrichtsausfall Einzug gehalten, die unter anderem traurigen Ausdruck findet in der radikalen Beschneidung des Abi-Gags. Gerne erinnere ich mich zurück an frühere Abi-Streiche inklusive Süßigkeitsparadiesen an der Decke im verbarrikadierten Hauptgebäude, Lehrerentführungen aus dem Unterricht und mit bunten Luftballons gefüllten Fluren – und zwar am ganzen Schultag! Auch die abwechslungsreichen Projektwochen sind irgendwo auf der Strecke liegen geblieben und in welches Mauseloch sich die Winterbundesjugend-Spiele verkrochen haben, weiß man bedauerlicherweise auch nicht. Bisweilen konnte man an extremen Sommertagen Folgendes beobachten: Während 90% der Siegener Schulen schon längst mit einem kühlen Cocktail im Schatten am Pool lagen, schmolz das FJM immer noch bei glühender Hitze und tropischer Luftfeuchtigkeit im stickigen Klassenzimmer dahin, bis gnädiger Weise am Ende der 5. Stunde dann doch endlich die ersehnte Durchsage das Unterrichtsende verkündete. Gleichzeitig scheint es aber ein unüberwindbares Hindernis zu sein, die Abschlussfahrt vom Anfang der Q2 ans Ende der Q1 zu legen, von dicht gedrängter Klausurphase im ohnehin schon stark geballten letzten Schuljahr auf die „Film-Kuchen-Pizza-Gammel-Phase“ acht Wochen früher. Denn um zu erahnen, dass vor den Sommerferien in keinem der Klassenräume noch Relativitätstheorien nachgewiesen werden, benötigt man wohl kaum ein Quäntchen pädagogisches Feingefühl.

 

 

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