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Wie Gesellschaft Ernährung prägt

Eine Zeitreise durch Schönheitsideale und Esskultur

Im Fernsehn werden die gutaussehendsten Frauen gekührt. Wer mehr Körpermasse hat als der Rest wird in der Schule geärgert. In den Schaufenstern präsentieren abgemagerte Schaufensterpuppen die Ware, um dem Käufer zu demonstrieren, wie "achso" attraktiv dieses Kleidungstück doch macht.

Da frage ich  mich: Wer bitte hat den Menschen gesagt, je dünner sie sind, desto schöner werden sie?

Im Mittelalter stand ein hohes Gewicht doch für Wohlstand, Körpermasse proportional für alles Positive der damaligen Zeit: Macht, Reichtum, wohlsituierte Verhältnisse.

 

Wie ein Mitdenkender jetzt schon ahnt, stehen geschichtliche Ereignisse und der Wandel von Gesellschaft im unmittelbaren Zusammenhang zu Ernährung.

Die Bedeutungen von Ernährung

Ernährung hatte schon immer zwei Bedeutungen. Auf der einen Seite gibt es die physische Bedeutung, auf der anderen steht die soziale.

Die beiden Bedeutungen haben sich im Laufe der Zeit nicht geändert, lediglich die Gewichtung. In Zeiten der Nahrungsknappheit stand der Körper im Vordergrund, in der Überschussgesellschaft dieser Zeit der soziale Aspekt.

 

Die physische Bedeutung meint die Nahrungsaufnahme zur Lebenserhaltung. Sie sollte dem Körper ausgewogen Nährstoffe liefern und ihn optimal mit Energie versorgen. Als Bestätigung einer empfehlenswerten Ernährung im physischen Sinne folgt ein Gesundheitsgefühl und ein komplikationsloses Arbeiten des Körpers.

 

Im Gegensatz zur gesunden physischen Ernährung steht die soziale Bedeutung der Ernährung. Die Gesellschaft schreibt uns vor, was wir essen. Wenn wir uns mit Freunden zum "Essen gehen" treffen, entscheidet nicht die optimale Versorgung des Körpers das Restaurant, sondern Trend, Geschmack und Preis. Gesellschaft schreibt durch eine soziale Bedeutung der Ernährung also vor, was man isst, obwohl dies eigentlich der Bedarf des Körpers tun sollte. Schon immer diente Ernährung nicht ausschließlich der Nahrungsaufnahme, sondern auch der Gemeinschaft. Ob beim Abendessen in der Familie, einem Geschäftsessen, oder dem fast schon obligatorischen Essen beim ersten Date, bevorzugen wir Nahrungsaufnahme in Gesellschaft.

Schönheitsideale der Zeit

Aus dem Zusammenhang von Ernährung und Gesellschaft ergeben sich Schönheitsideale. Verschiedende Schönheitsideale aus der Vergangenheit bekommt ihr in diesen Bildern zu sehen, die Erklärungen darunter.

(von links nach rechts)

 

Steinzeit: Die Venus von Willendorf verdeutlicht die Schönheitsideale der damaligen Zeit. Bauch, Beine, Po galt auch in vergangenen Zeiten, jedoch in rund, dick, üppig.

 

Antike: Die olympischen Spiele erfreuten sich immer größerer Bekanntheit, also wuchs das Attraktivitätsempfinden für athlethische Körper. Den Wettkämpfen gingen besondere Ernährungspläne vorraus, ähnlich wie heute immernoch.

 

Mittelalter: Übermäßig herausgestellte Weiblichkeit galt als unschicklich, teilweise sogar als Teufelswerk. Die Frau des Mittelalters sollte ansehnlich, aber unauffällig sein. Typisch für Bilder der damaligen Zeit sind schmale Gliedmaße, die wohl auch aufgrund harter Arbeit und Unterernährung das Volk gehabt haben wird, während eine Vielzahl der Herrschenden  in Wohlstand lebte, was auch den Körpern anzusehen war.

 

Renaissance: An dem oben gezeigten Bild von Peter Paul Rubens könnt ihr die Ideale dieser Zeit sehen: Ernährung hatte einen besonders hohen sozialen Stellenwert, runde Körper galten als schick und demonstrierten Wohlstand.

 

20. Jahrhundert: Das Jahrhundert war geprägt von Emanzipation, die Frauen mehr auf ihre Figur achten ließ. Einzelne Künstlerinnen führten Trends an, eine Vereinheitlichung des Ideals folgte: 90-60-90 wurde durch Fitness- und Aerobictrends immer populärer.

 

21. Jahrhundert: Die Ideale des letzten Jahrhunderts steigerten sich in verheerende Ausmaße. Laufstegshows verbreiteten das Bild einer Frau, die mehr aus Knochen als Fleisch besteht. Eine drastische Kehrtwende folgte jedoch. Magersüchtige Models durften nicht mehr auftreten und die Werbung setzte auf durchschnittlich gebaute Frauen. Dem muss man jedoch hinzufügen, dass die Welt der Models und der durchschnittlichen Bürger nicht dieselbe war. Die einen kämpften mit Magersucht, die anderen mit Adipositas.

Geschichtliche Ereignisse, die die Ernährungskultur prägten

Quelle: www.thinglink.com
Quelle: www.thinglink.com

Hungersnöte, die wir in Deutschland überhaupt nicht mehr kennen, sind bezeichnend für das Mittelalter. Diese kamen aber nicht von ungefähr, sondern wurden durch die Staatsordnung begünstigt.

Die Ständegesellschaft bis zur Demorkraktiesirung des Westens hat ausreichende Ernährung für die Adeligen vorbehalten. Von dem Wenigen, was die Bauern hatten, mussten sie also auch noch Abgaben an die oberen Schichten leisten.

Diese Politik hat die Ernährung und Unterernährung der Bevölkerung geprägt.

Quelle: www.welt.de
Quelle: www.welt.de

Nicht selten sind Lebensmittel Grund für Kriminalität gewesen. In Kriegszeiten war Nahrung knapp und kein Ende des Leidens in Sicht. Mütter, deren Männer im Krieg waren, mussten die Kinder ernähren. Die einzige Möglichkeit, aus dieser misslichen Lage zu entfliehen, war Handeln von Lebensmitteln auf dem Schwarzmarkt, selbstredend strengstens verboten.

Quelle: www.taz.de
Quelle: www.taz.de

Eine anscheinende Errungenschaft der Neuzeit und eine Revolution auf dem Markt der Lebensmittelindustrie ist der Süßstoff. Man kann es kaum glauben, doch ohne den Vietnamkrieg hätte es diesen, mittlerweile in Verruf geratenen, Süßmacher nie gegeben. Im Vietnamkrieg verwendete man Entlauber, um Wälder und Ernten zu vernichten. Als man jedoch den süßlichen Geschmack dieses Gifts entdeckte, war er geboren, der Süßstoff aus Aspartam. Aspartam soll krebserregend und giftig sein.

 

www.faz.net
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Doch wie sieht es heute aus? Wie beeinflusst unsere heutige Gesellschaft die Ernährung? Es gäbe wohl keine Supermärkte ohne Plastik. Seit die Erdölförderung optimiert worden ist, wird alles in Plastik verpackt und so bereit zum Mitnehmen in die Regale gelegt. Auf diese Weise wird die Ernährung gewandelt. Von Stunden vorm heimischen Herd zu wenigen Minuten, bis man das fertig geschmierte Brot aus der Plastikverpackung an der Kasse bezahlt in den Händen hält. Plastik macht unser Essen to go. Mehr als Optik und Zutaten zählt hier eine praktische Handhabung . Praktikabel steht in einer schnelllebigen Welt eben für to go.

Quelle: www.lehrerfortbildung-bw.de
Quelle: www.lehrerfortbildung-bw.de

Last, but not least, wollen wir uns anschauen, wie Digitalisierung nicht nur Arbeitsmarkt, sondern auch Ernährung beeinflusst. Die meisten Jobs beinhalten Arbeit an Computern, viele ausschließlich. Man könnte meinen, dass der Konsum von Lebensmitteln mit weniger körperlicher Arbeit zurückgeht. Tut er aber nicht. Wir essen viel, bewegen uns wenig, was unumgänglich zu Fettleibigkeit führt. Mit wachsender Anzahl an Diabetes Erkranketen, Rückenproblemen und Bluthochdruck hinterlässt unsere Generation ihren Fußabruck in der Chronik der Ernährung.

 

 

Was kann man sich also mitnehmen?

Jede Zeit folgt eigenen Trends, Erkenntnissen und Revolutionen.

 

Eine neue Zeit bedeutet eine neue Gewichtung zwischen physischen und sozialen Aspekten der Ernährung.

 

Und jede Zeit muss wieder aufs Neue feststellen, dass die meisten Trends und Ideale ungesund sind.

 

Gesund Leben besteht also nicht ausschließlich aus Gemüse, sondern einer großen Portion Verstand, genauso wie ein bisschen Mut, nicht jedem Trend blind hinterherzulaufen.

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