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Euer Ernst?! Studienflug 2019

Wie die Klimaschützer-Generation es auch nicht besser macht

Morgen geht es los, wir fahren auf Studienfahrt. Jippih, freudiges Ereignis! Oder? Seit Wochen ernte ich unverständnisvolle Blicke, wenn ich Kritik an diesem Vorhaben äußere. Nicht an der Fahrt im Allgemeinen, sondern ganz konkret an den Plänen meines Geschichts-LKs. Was haben wir also vor? Die einen Kurse machen sich zügig auf den Weg nach Prag, also "zügig" im Sinne von "mittels Schienenverkehr" und weitere Kurse fahren per Reisebus nach Kroatien. Und dann wir: Wir steigen morgen um 8:35 Uhr ins Flugzeug nach Manchester.

Diese Tatsache gibt in mehrfacher Hinsicht Anlass für eine schriftliche Äußerung meinerseits:

  1. Mit dem Flugzeug??? Was läuft eigentlich schief? Ich dachte, wir sind die Klimaschützer-Generation?!
  2. Okay, nochmal beruhigen. Wie schlimm ist Fliegen überhaupt? Meine Stufe sieht das ja anscheinend nicht so bedenklich wie ich…

Dieses Unverständnis über meine schlechte Laune bezüglich des Fluges hat mich jetzt schon seit Wochen begleitet. Und das macht meine Laune nicht besser, denn das Unverständnis macht mich auch noch wütend. Es ist doch meine Generation, die gerade die ganze Politik und Gesellschaft aufmischt, weil wir aus unserer Komfortzone rauskommen und dafür eintreten, dass die Bedürfnisse der Natur gehört und schließlich erhört werden. Warum hat denn diese Generation nicht gegen eine Flugreise gestimmt, die doch schon lange unter #Flugscham so verpöhnt ist? Denn wir hatten doch die Wahl: Wir haben demokratisch darüber entschieden, welches Ziel wir mit welchem Verkehrsmittel erreichen wollen. Warum fällt so eine Entscheidung für eine derartige Umweltsünde aus?

 

Wir haben kein Recht darauf, eine Flugreise zu unternehmen, nur weil wir es uns leisten können. Im Gegenteil: Wir haben eine solidarische und ökologische Pflicht dazu, unseren Reichtum so einzusetzen, dass die Erderwärmung gestoppt wird. Und diese Pflicht erfüllt sich sicher nicht durch Flugreisen. Ich bin enttäuscht darüber, dass wir uns nicht freiwillig zu dieser Pflicht bekennen konnten.

Wäre ein Flugverbot also ein logischer Schritt? Bei Prohibitionspolitik verengen sich schon die Augen derjenigen, die sich als letzte Instanz sehen und ihre persönlichen Freiheiten über das Wohl anderer zu stellen.

Wenn durch unseren Emmissionsaustoß andere Menschenleben gefährdet sind (durch Waldbrände, Dürren, Wasserknappheit, Überschwemmungen, Naturkatastrophen, Extremwetter, etc.), dann gilt es doch, diese Freiheit, die übrigens nur durch Geld besteht, hinten anzustellen und notwendigerweise auch gesetzlich einzudämmen.

Bekanntermaßen reicht die eigene Freiheit soweit, bis die des Nächsten beginnt. Es wäre also nicht nur in Ordnung, sondern sogar eine menschenrechtliche Pflicht der Lehrer, Schulleitung und letztendlich der Politik Flugreisen für solche unnötigen Zwecke wie Klassenfahrten zu verbieten.

copyright: sfv / mester
copyright: sfv / mester

Für Kapitalisten könnte man das auch der Markt durch Co2-Steuern regulieren; Umweltverschmutzung muss unbezahlbar werden, damit den Unverständigen die Augen geöffnet werden und die unverschuldet Leidtragenden eine Zukunft bekommen.

 

 

Hierzu möchte ich gerne unsere Nachbarschule als positives Beispiel anbringen. Ehemalige Schüler haben mir von deren Regelungen berichtet.

Am "evau" ist die Anreise zur Studienfahrt mit dem Flugzeug verboten. Jedoch gibt es auch einen Amerika-Austausch, bei dem es sich nunmal schwierig vermeiden lässt, in einen Flieger zu steigen. Hier ist jeder Schüler verpflichtet, persönlich für diesen Umweltschaden aufzukommen. Das passiert in Form von einer Spende an eine Umweltschutzorganisation. Die Höhe der Spende wird über die Flugkilometer errechnet. Ich halte das für ein echt sinnvolles Konzept. Hut ab!

Der wissenschaftliche Teil...

Dennoch will ich meinen Ärger nicht unbegründet lassen und differenziert ein Urteil über die bei Reisen zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel fällen. Hierbei stütze ich mich auf die Erkenntnisse des Verkehrsclubs Deutschland.

Aus der Betrachtung fällt die Fortbewegung per Rad und per Pedes raus, denn zum einen ist sie unantastbar am umweltfreundlichsten, zum andern aber für gängige Fernreisen ungeeignet.

Vergleich der durchschnittlichen Emissionen einzelner bverkehrsmittel im Personenverkehr
https://www.vcd.org/themen/klimafreundliche-mobilitaet/verkehrsmittel-im-vergleich/

Zur Auswertung der Tabelle muss man jetzt aber noch sagen, was die Zeile "Auslastung" zu bedeuten hat. "Auslastung" bedeutet, wie viel Prozent des Platzes in dem Verkehrsmittel genutzt werden. Wenn jetzt ein Gelenkbus morgens im Berufsverkehr komplett voll ist, dann ist er zu 100% ausgelastet. Zwei Stunden später sind von den 100 Plätzen aber nur noch 20 besetzt, also sprechen wie hier von einer Auslastung von 20%. Je mehr Leute mit dem Bus fahren, desto besser. Man könnte sagen, dieser Emissionsaustoß hat sich "gelohnt", weil dieser pro Kopf mit zunehmender Auslastung geringer wird.

Ein Schluss könnte sein, dass eine Fahrt im Auto mit fünf Leuten umweltverträglicher ist, als eine Bahnfahrt mit zehn Fahrgästen. Doch nicht so vorschnell! Im Gegensatz zum Auto fährt die Bahn ja sowieso, fahrplanmäßig, meistens. Also stößt die Bahn die Emissionen aus und die vom Auto würden nur dazu kommen. Deshalb spart es Emissionen, wenn man Bahn und Bus fährt.


Für unsere Kursfahrt wäre die Bahn somit eine gute umweltfreundliche Alternative gewesen, vorallem weil der Fernverkehr noch klimaverträglicher ist als der Nahverkehr.

 

"Aber, aber Annika, die Bahn ist doch viel zu teuer!" Das ist erstens nicht zwingend so und zweitens kann man auch mal verzichten. Vorallem bei Klassenfahrten. "Verzichten?" Ja, Lies oben doch nochmal die Folgen von Umweltschädigung durch...

Und der Reisebus? Auch eine Möglichkeit. Zwar sieht der Emissionsaustoß bei Fernzügen besser aus, aber schaut euch mal die Auslastung an… Der Reisebus wird aber gebucht, während die Bahn bekanntermaßen zusätzlich fährt.

 

Hier kann man also sagen, dass Reisen mit dem Bus vertretber sind, aber Bahnreisen können nicht schaden und mit dem Reisebus kann man auch keine Verkehrswende unterstützen.

Und jetzt zum Flugzeug: Schon auf den ersten Blick fallen hier die besonders schlechten Werte auf. Und es kommt noch dazu, dass ein Flugzeug abhebt. Und Emissionsausstoß in dieser Flughöhe wirkt anders, direkter, mit schwerwiegenderen Folgen. Dazu gibt es den Radiative Forcing Index, mit dem der CO2-Ausstoß noch multipliziert werden muss, um die wirkliche Klimaschädlichkeit zu errechnen.

"Ja, fliegen ist wirklich so schlimm."

Nach diesen Erkenntnissen muss man sagen: "Ja, fliegen ist wirklich so schlimm." Solange es Alternativen gibt (, die es bei Klassenfahrten fast immer gibt), sollte, ja muss man die sogar nutzen. Gerne wird die Weisheit erwähnt, dass man beim Klimaschutz klein anfangen muss. Wenn der Verzicht auf diesen Flug nach Manchester und zurück nicht ein kleiner Anfang gewesen wäre, dann weiß ich auch nicht. Ich kann das nicht rückgängig machen, aber sicher dich zum Nachdenken bringen, damit du bei der nächsten Entscheidung an meine Worte denkst und dem Klima und den ganzen Menschenleben, die damit zusammenhängen, zum Wohl eine Entscheidung gegen das Flugzeug fällst.

Danke für dein Interesse und deinen Beitrag zur Klimarettung!

Bilder von pixabay, sofern nicht anders gekennzeichnet.

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